In der Schweiz zieht der Pollenflug vielerorts wieder an. Wer jetzt mit roten, juckenden Augen aufwacht, denkt darum schnell an Heuschnupfen – übersieht aber manchmal einen Infekt, der im Büro oder in der Familie die Runde macht. Mit ein paar typischen Hinweisen und der richtigen Soforthilfe können Sie die Lage oft besser einschätzen und wissen, wann ein Termin beim Gesundheitsoptiker oder der Gesundheitsoptikerin sinnvoll wäre.
Die Symptome der Pollenallergie
Bei einer Pollenallergie reagiert die Bindehaut auf winzige Allergene in der Luft – häufig zuerst auf Hasel und Erle, später auf Birke und Gräser. Typisch ist starker Juckreiz. Es kribbelt, als würde etwas im Auge sitzen. Reiben scheint kurz zu helfen, reizt die Oberfläche aber zusätzlich und macht die Beschwerden oft schlimmer. Häufig tränen die Augen klar und wässrig, die Lider sind leicht geschwollen und die Symptome treten beidseitig auf. Viele Betroffene niesen zusätzlich, haben eine laufende oder verstopfte Nase oder ein Kratzen im Hals. Auffällig ist auch der Wechsel. Drinnen oder nach dem Waschen des Gesichts wird es eher besser, draussen bei trockenem, windigem Wetter eher schlechter.
Das spricht für eine Bindehautentzündung
Eine infektiöse Bindehautentzündung beginnt dagegen häufig an einem Auge und greift erst später auf das zweite über. Statt Juckreiz dominiert oft ein Brennen oder ein sandiges Fremdkörpergefühl, als wäre die Oberfläche rau. Bei bakteriellen Infekten kommt häufig zähes, gelblich-grünes Sekret dazu, das die Wimpern verklebt – besonders morgens. Wenn in kurzer Zeit mehrere Personen ähnliche Beschwerden bekommen, ist ein Infekt wahrscheinlicher.
Soforthilfe: Was Sie heute noch tun können
Egal, was dahintersteckt: Nicht reiben. Das reizt die Oberfläche und verteilt mögliche Erreger. Waschen Sie die Hände gründlich und entfernen Sie reizende «Zusatzfaktoren» wie Augen-Make-up oder Kontaktlinsen. Kühle Kompressen beruhigen Juckreiz und Schwellung oft innerhalb weniger Minuten. Sehr hilfreich sind künstliche Tränen. Sie spülen Allergene und Reizstoffe aus und stabilisieren den Tränenfilm. Wenn das Auge stark verklebt ist, reinigen Sie die Lider sanft mit lauwarmem Wasser und einer sauberen Kompresse – ohne zu rubbeln.
Bei Verdacht auf einen Infekt steht zunächst die Linderung im Vordergrund. Antibiotische Augentropfen helfen nur bei bakteriellen Ursachen und sollten nicht «auf Verdacht» eingesetzt werden. Bleiben Sie bei kühlen, sauberen Kompressen und künstlichen Tränen und gönnen Sie dem Auge Ruhe. Kontaktlinsen gehören bei geröteten, schmerzenden Augen grundsätzlich aus dem Auge und erst wieder hinein, wenn alles vollständig abgeklungen ist. Wenn die Lider stark anschwellen, viel Eiter entsteht oder die Beschwerden nach einigen Tagen nicht deutlich nachlassen, sollten Sie das bei Ihrem Gesundheitsoptiker abklären lassen.
Hygienemassnahmen bei Infekt
Damit sich ein Infekt nicht weiterverbreitet, gehört zur Lösung auch ein Minimum an Hygiene.
- Augen so wenig wie möglich anfassen
- Hände waschen nach jedem Tropfen oder Reinigen der Lider
- Eigene Handtücher, Waschlappen und Kissenbezüge verwenden und häufiger heiss waschen
- Vorübergehend auf Augen-Make-up verzichten
- Teilen Sie keine Kosmetik, Augentropfen oder Kontaktlinsen-Utensilien
- Linsen im Zweifelsfall ersetzen und auch das Etui austauschen
- Bei Mehrpersonenhaushalt: Häufig berührte Oberflächen wie Türklinken, Tastatur, etc. reinigen
Wann Sie Ihre Augen rasch abklären lassen sollten – und wie Sie andere schützen
Warten Sie nicht ab bei Schmerzen, starker Lichtempfindlichkeit, Sehverschlechterung, starkem «Schleier» oder wenn das Auge sehr stark gerötet ist. Das gilt auch, wenn Sie das Auge kaum öffnen können, das Lid massiv anschwillt oder das Auge sehr stark gerötet ist. Tragen Sie Kontaktlinsen und haben zusätzlich Schmerzen oder Lichtscheu, gilt: Linsen sofort herausnehmen und noch am selben Tag untersuchen lassen. Hinter solchen Symptomen kann eine Hornhautentzündung stecken, die das Sehen gefährden kann.
Eine Abklärung lohnt sich auch, wenn es nicht dramatisch ist, aber hartnäckig bleibt: etwa, wenn nach 48 bis 72 Stunden keine klare Besserung eintritt, ein Auge deutlich schlimmer bleibt oder die Beschwerden immer wiederkommen. Nehmen Sie wenn möglich die verwendeten Tropfen zur Beratung mit.
Rote, juckende Augen in der Pollensaison sind häufig eine Allergie – aber eben nicht immer. Wenn Sie unsicher sind, lohnt sich eine rasche Abklärung. Ihre Gesundheitsoptikerin oder Ihr Gesundheitsoptiker kann die Augenoberfläche prüfen, passende Sofortmassnahmen empfehlen und Sie bei Bedarf gezielt an eine Augenärztin oder einen Augenarzt weiterleiten – damit Sie schnell Klarheit bekommen und die Augen wieder zur Ruhe kommen.






