Smartphones fördern "Aufschieberitis" und Sehstress

Wieviele Bildschirme checken Sie mehrmals täglich? Lassen Sie uns mal nachzählen: Diejenigen, die in einem Büro arbeiten, sitzen den ganzen Tag vor dem Computer-Bildschirm. Nebenan liegt bei den meisten noch ein ganz kleiner Bildschirm. Derjenige des Smartphones. Vielen ist dieser allerdings zu klein, um von überall noch auf Zeitungen, E-Mails, Nachrichten aus Chats etc. zuzugreifen und diese zu lesen. Sie benutzen meistens noch einen dritten Bildschirm – z.B. ein Tablet.

Wissenschaftler haben nun herausgefunden, dass die digitalen Gewohnheiten unser Arbeitsgedächtnis belasten. Sie sind davon überzeugt, dass unser Hirn überlastet ist. Das Arbeitsgedächtnis könne die zahlreichen Informationen nicht alle gleichzeitig verarbeiten. Unkonzentriertheit sei die Folge und ein vertiefter Arbeitsmodus werde verhindert. Das sind jene Phasen, wo wir uns voll und ganz einer Aufgabe widmen. Wer also ständig online sei, werde abgelenkt, weil unser Hirn nicht multitasking ist.

Andreas Zimber, Psychologieprofessor an der Hochschule Heidelberg rät, die Mails nicht schon am Morgen abzurufen, weil man sonst aus dem ständigen Nachschauen nicht mehr herauskönne. Es sei besser, diese nach der Mittagspause oder in den frühen Nachmittagsstunden abzurufen oder sich an feste Zeiten des Mail-Abrufens zu halten.

Neben Mails, die am meisten im Berufsleben genutzt werden, beanspruchen im Alltag ständige Mitteilungen von WhatsApp, Facebook, Twitter oder Instagram die Aufmerksamkeit. All diesen Medien gemein sei, dass man gerne auf sie zugreife, um unangenehmen Aufgaben auszuweichen, sagt Zimber: "Die Aufschieberitis wird gefördert."

Folge der ständigen Unterbrechungen: "Man verliert den roten Faden, die Frage: wo war ich gerade?, steht dafür", sagt der Wissenschaftler. Dann brauche man mehr Zeit, um eine Aufgabe zu erledigen. Hinzu kommt: "Der Wechsel zwischen Mediennutzung und Arbeiten kostet viel Energie. Man fühlt sich viel schneller erschöpft."

Das so nicht geschaffte Pensum habe Nachwirkungen: "Das Hirn rattert im Feierabend weiter. Man geht durch, was noch zu tun ist", sagt Zimber. Er stellt aber auch klar: "Es sind nicht Facebook und die anderen, digitalen Anwendungen, die das Arbeiten uneffektiv machen, sondern es ist der menschliche Umgang mit diesen Medien."

Wem es gelinge, den Gebrauch zeitlich zu bündeln oder einen ruhigen Ort zum Arbeiten aufzusuchen, der profitiere: "Dann wird effektiver gearbeitet, und der Berufstätige geht mit einem besseren Gefühl nach Hause. Er ist nicht so ausgepowert", sagt Zimber.

Das Auge ist nicht für die kleinen Bildschirme gemacht

Das andere Problem sind unsere Augen. Die Mediennutzung macht unsere Augen müde. Denn gerade für die kleinen Smartphone-Bildschirme sind unsere Augen nicht gemacht, sagen Augenärzte.  

Einer deutschen Studie zufolge blickt jeder Smartphone-Besitzer 60 bis 80 Mal pro Tag auf sein Display, um im Internet nach Informationen zu suchen oder E-Mails zu checken.

Das überlastet nicht nur das Arbeitsgedächtnis, sondern auch die Augen. Optiker und Augenärzte warnen vor deshalb vor digitalem Sehstress. Brillenglashersteller beschäftigen sich mit der Frage, wie der Mensch seine gestressten Augen entlasten kann und bieten „digitale Brillengläser“ für mehrere Sehbereiche an.

Ob sich die Zahl der Brillenträger durch die Nutzung von Smartphones und beleuchteten E-Book-Readern langfristig erhöhen wird, ist noch unklar. Langzeitstudien über die gesundheitlichen Auswirkungen der Geräte gibt es nach Angaben des Optikerverbandes noch nicht.

 

Quelle: welt.de/gesundheit (Artikel des 9.Januar 2015)

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