Welche Gründe für eine dauerhafte Brillen-Unverträglichkeit kann es geben?

Brillenträger kennen das komische Gefühl, wenn sie mit der neuen Brille aus dem Optikergeschäft auf die Strasse treten: Die Kieselsteine auf dem Gehweg scheinen viel zu scharf, andere Dinge verzerrt oder kleiner. Man staunt und blickt irritiert umher. Meistens ist dieses Gefühl nach wenigen Stunden vorüber. Es kann aber sein, dass diese sogenannte Eingewöhnungsphase Tage oder sogar drei Wochen dauert, auch wenn die Brille täglich getragen wird. Nach zwei bis vier Wochen ungutem Gefühl oder unbefriedigendem Sehen, sollten Sie die Brille bei ihrem Augenoptiker prüfen lassen. Es können mehrere Ursachen zugrunde liegen: 

1. Die Werte der Gläser sind nicht korrekt
Irren ist menschlich und es kann überall zu Fehlern kommen. Beispielsweise, weil die Gläser vertauscht sind, Werte von jemand anderem zugrunde liegen oder die Werte einfach falsch im Rezept eingetragen worden sind. Dann werden Sie sich natürlich auch nach fleissigem Tragen, nicht an die Brille gewöhnen, bzw. scharf sehen. Der Optiker wird dies sofort überprüfen, wenn Sie mit der Brille unzufrieden sind.

2. Tagesverfassung
Natürlich kann auch eine schlechte Tagesverfassung von Ihnen bei der Glasstärkenbestimmung zu unpräzisen Werten führen. Wenn Sie müde sind, lange am PC gearbeitet haben, in schlechter psychischer Verfassung sind, Medikamente einnehmen oder Diabetes haben, dann kann das die Werte genauso verfälschen. Melden Sie dies Ihrem Augenoptiker umgehend.

3. Einsatz Ihrer Brille
Teilen Sie Ihrem Augenoptiker mit, wofür Sie die Brille einsetzen wollen. Für reine Computerarbeit ist eine andere Brille notwendig, als wenn Sie eine reine Lesebrille wollen oder eine Brille für andere z.B. handwerkliche Arbeitstätigkeiten benötigen etc. Wenn Sie die Brille aber für eine nicht angedachte Tätigkeit tragen, kann es sein, dass Sie sich nicht wohl fühlen damit.

4. Ungenügende Zentrierung
Ein Auge sieht nur an einem kleinen Punkt genau vor der Pupille scharf. Genauso muss das Brillenglas mit einem Mittelpunkt versehen werden, der genau vor der Pupille platziert wird. Weicht dieser nun ab oder sitzt die Brille nicht wie vorgesehen und ausgemessen (weil sie z.B. rutscht), sodass sich der Mittelpunkt nicht mehr genau vor der Pupille befindet, ist das unangenehm für den Brillenträger und anstrengend für die Augen.

5. Erste Gleitsichtbrille
Die Gewöhnung an dieses komplexe Glas dauert oftmals viel länger als ein „normales Glas“. Ein Gleitsichtglas vereint nämlich drei Brillen in einer. Der obere Teil ist fürs scharfe Sehen in der Ferne, der Mittlere für mittlere Entfernungen, wie z.B. dem Arbeiten am PC oder Kochen etc. und der untere Teil ist wie eine Lesebrille für nahe Distanzen. Gewisse Hightechgläser integrieren hier sogar eine Art Lupe, weil die Hersteller beobachtet haben, dass das Smartphone wiederum näher am Gesicht gehalten wird als eine Zeitung. Der Träger muss in Folge lernen, wo er wann durchgucken muss, und dass er nicht mehr seitlich durchs Glas sehen kann, weil dort alles unscharf ist. Er muss z.B. zum Autofahren den Kopf stärker mitbewegen als vorher. Dies alles führt dazu, dass hier die Gewöhnungsphase am Längsten dauert und gerade bei zweitklassigen Brillengläsern die Gewöhnung schwieriger ist. Lassen Sie deshalb die Gleitsichtbrille zwingend bei einem Spezialisten anpassen, der die anerkannten Marken führt. Auch wenn die Kosten höher sind, werden Sie viel mehr Freude an dieser Brille haben.

4. Erste Brille mit Hornhautverkrümmung oder eine deutliche Veränderung der Hornhautverkrümmung bei der neuen Brille
Eine Hornhautverkrümmung lässt das Auge nicht mehr nahezu rund sein, sondern es ist eher kegelförmig. Dieser sogenannte Astigmatismus führt zu einer Verzerrung eines Bildes. Bei einer leichten Hornhautverkrümmung, die bei sehr vielen Menschen ein Leben lang unbemerkt bleibt, gleicht das Gehirn diese Krümmung aus und das Bild erscheint normal. Bei einer stärkeren Hornhautverkrümmung sieht der Betreffende weder in der Nähe noch in der Ferne scharf. Sein Brillenglas muss, um dies zu korrigieren, ebenfalls „krumm“ geschliffen werden, um das Bild „normal zurecht zu biegen“. Teilweise korrigiert das Gehirn aus Gewohnheit trotzdem, obwohl das Brillenglas dies korrigiert hat.

5. Unterschiedlich starke Sehfehler pro Auge
Wenn die Gläserstärken sehr unterschiedlich sein müssen, um den Sehfehler zu korrigieren, dann ist die im Auge entstehende Bildgröße ebenfalls verschieden. Schaut man einen Gegenstand an und deckt abwechselnd ein Auge zu, dann ist der Gegenstand unterschiedlich gross. Dies ist für die räumliche Wahrnehmung problematisch.

6. Erstmals eine Brille oder Kontaktlinsen
Grössenunterschiede, die irritieren und z.B. zu falscher Einschätzung von Distanzen im Verkehr führen können, können auch davon herrühren, wenn jemand der jahrelang nur Kontaktlinsen getragen hat, plötzlich eine Brille trägt und umgekehrt. Daran muss man sich auch erst gewöhnen.

7. Erste Brille nach Staroperation
Nach der Operation des grauen Stars muss die Brille neu angepasst werden, weil die Werte nicht mehr stimmen werden. Daran muss man sich wieder gewöhnen. Die Werte können sich in seltenen Fällen nach der Brillenanpassung nochmals ändern.

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