Warum die Augen fürs Gleichgewicht wichtig sind
Für einen sicheren Gang verarbeitet das Gehirn gleichzeitig Informationen aus den Augen, dem Gleichgewichtsorgan im Innenohr sowie aus Muskeln und Gelenken.
Verschlechtert sich das Sehen, fehlen wichtige Hinweise aus der Umgebung. Das kann sich beispielsweise beim Treppensteigen, auf unebenem Boden oder bei schlechtem Licht bemerkbar machen. Manche Betroffene beschreiben diese Unsicherheit als Schwindel, obwohl nicht zwingend das Gleichgewichtsorgan betroffen ist.
Nicht nur scharfes Sehen zählt
Für die Orientierung reicht eine gute Sehschärfe allein nicht aus. Das Kontrastsehen hilft, Stufen und Unebenheiten vom Untergrund zu unterscheiden. Mit dem räumlichen Sehen können wir Abstände und Höhen einschätzen. Das Gesichtsfeld sorgt dafür, dass wir Hindernisse auch ausserhalb der direkten Blickrichtung wahrnehmen. Diese Sehfunktionen können sich im Alter verändern. Besonders bei Dämmerung oder schlechten Lichtverhältnissen fällt das oft stärker auf.
Augenerkrankungen können die Orientierung erschweren
Beim Grauen Star, medizinisch Katarakt genannt, trübt sich die natürliche Augenlinse zunehmend ein. Betroffene sehen häufig wie durch einen leichten Schleier, Farben wirken blasser und Kontraste lassen sich schlechter erkennen. Auch die Blendempfindlichkeit kann zunehmen. Das macht sich beispielsweise bemerkbar, wenn eine Treppenkante kaum vom Boden zu unterscheiden ist oder entgegenkommende Scheinwerfer in der Dämmerung stark blenden.
Beim Grünen Star, dem Glaukom, wird der Sehnerv geschädigt. Typischerweise entstehen dabei schleichend Ausfälle im Gesichtsfeld. Das Tückische: Diese Veränderungen werden oft lange nicht bemerkt. Im Alltag können dadurch Hindernisse am Rand des Blickfelds später erkannt werden. Das kann die Orientierung erschweren und die Gefahr erhöhen, über Gegenstände oder Unebenheiten zu stolpern.
Bei der altersbedingten Makuladegeneration (AMD) ist vor allem die Mitte des Gesichtsfelds betroffen. Genau dort sehen wir normalerweise besonders scharf. Gerade Linien können verzerrt erscheinen und Details schwieriger erkennbar werden. Das kann beispielsweise das Erkennen von Gesichtern oder das Lesen erschweren. Auch beim Gehen kann die visuelle Orientierung anspruchsvoller werden, wenn wichtige Details nicht mehr zuverlässig wahrgenommen werden.
Diese Erkrankungen verursachen nicht automatisch Schwindel. Sie können jedoch dazu führen, dass das Gehirn weniger genaue Informationen über die Umgebung erhält. Dadurch kann ein Gefühl von Unsicherheit entstehen, besonders in ungewohnter Umgebung, auf Treppen oder bei schlechten Lichtverhältnissen.
Kann auch die Brille Schwindel verursachen?
Nach einer neuen Brille oder einer deutlich veränderten Korrektur kann eine kurze Eingewöhnungsphase nötig sein.
Bei Gleitsichtbrillen kommt hinzu, dass verschiedene Bereiche des Glases für unterschiedliche Distanzen ausgelegt sind. Beim Blick auf Treppen oder den Boden kann dies die Wahrnehmung verändern. Besonders ältere Menschen sollten deshalb darauf achten, durch den passenden Bereich der Brille zu schauen. Beginnt die Unsicherheit nach einem Brillenwechsel oder tritt sie nur mit einer bestimmten Brille auf, lohnt sich eine Kontrolle.
Bei Schwindel auch die Augen kontrollieren
Schwindel kann viele Ursachen haben. Kreislaufprobleme, Medikamente, Erkrankungen des Innenohrs oder neurologische Ursachen kommen ebenso infrage. Wer jedoch zunehmend unsicher geht, häufiger stolpert oder bei Treppen und Dämmerung Mühe hat, sollte auch die Augen überprüfen lassen. Dabei sind neben der Sehschärfe das Kontrastsehen, das Gesichtsfeld, das räumliche Sehen und das Zusammenspiel beider Augen wichtig.
Gesundheitsoptikerinnen und Gesundheitsoptiker können diese Sehfunktionen beurteilen und erkennen, wann eine weitere augenärztliche Abklärung sinnvoll ist.


