Was Chlorwasser mit den Augen macht
Rote Augen nach dem Schwimmen werden oft direkt dem Chlor zugeschrieben. Ganz so einfach ist es nicht. Chlor wird dem Badewasser zugesetzt, um Keime zu reduzieren. Kommt es jedoch mit Schweiss, Urin, Hautschuppen oder Schmutz in Kontakt, entstehen sogenannte Chloramine. Diese chemischen Verbindungen können die Augen reizen, den Tränenfilm angreifen und zu Brennen, Rötung oder Tränen führen. Das Bundesamt für Gesundheit weist darauf hin, dass Chloramine Augen und Atemwege reizen können, besonders in Hallenbädern.
Der Tränenfilm ist die feine Schutzschicht auf der Augenoberfläche. Er hält das Auge feucht, spült kleine Partikel weg und schützt vor Reibung. Wird dieser Film durch Chloramine, Wind, Sonne oder langes Schwimmen gestört, fühlen sich die Augen schnell trocken, gereizt oder empfindlich an.
Reizung oder Entzündung: der Unterschied
Nicht jedes rote Auge ist gleich eine Augenentzündung. Oft handelt es sich nach dem Baden um eine vorübergehende Reizung. Die Beschwerden klingen dann meist innerhalb weniger Stunden wieder ab.
Von einer Bindehautentzündung, medizinisch Konjunktivitis, spricht man, wenn die Bindehaut entzündet ist. Die Bindehaut ist die dünne, durchsichtige Schleimhaut, die das Weisse des Auges und die Innenseite der Lider bedeckt. Typisch sind gerötete Augen, Tränen, Brennen, Juckreiz oder ein verklebtes Auge am Morgen.
Ernsthafter ist eine Hornhautentzündung, medizinisch Keratitis. Die Hornhaut ist die klare, vordere Schicht des Auges – wie ein durchsichtiges Fenster, durch das Licht ins Auge fällt. Ist sie entzündet, können Schmerzen, Lichtempfindlichkeit, Fremdkörpergefühl oder verschwommenes Sehen auftreten. Bakterien gelten als wichtige Auslöser infektiöser Hornhauterkrankungen; SRF berichtete in diesem Zusammenhang, dass Bakterien rund 80 Prozent aller infektiösen Hornhauterkrankungen am Auge verursachen können.
Wie Keime in die Augen gelangen
Trotz Wasseraufbereitung ist ein Schwimmbecken nie keimfrei. Schmutzpartikel, Körperflüssigkeiten und Mikroorganismen können ins Wasser gelangen. Treffen sie auf gereizte Augen, eine geschwächte Augenoberfläche oder kleine Verletzungen, können sie leichter in die Bindehaut oder Hornhaut eindringen.
Bindehautentzündungen durch Schwimmbadwasser sind zwar selten, aber nicht ausgeschlossen. Häufiger werden ansteckende Augenentzündungen über Schmierinfektionen weitergegeben. Das bedeutet: Krankheitserreger gelangen über Hände, Handtücher, Oberflächen oder gemeinsam genutzte Gegenstände ans Auge. Wer sich mit ungewaschenen Händen die Augen reibt, macht es Keimen besonders leicht.
Kontaktlinsen und Wasser: eine heikle Kombination
Besonders riskant ist das Baden mit Kontaktlinsen. Kontaktlinsen liegen direkt auf dem Tränenfilm und können sich im Wasser verschieben, aus dem Auge gespült werden oder sich unangenehm festsaugen. Dadurch können kleine Abschürfungen auf der Hornhaut entstehen.
Dazu kommt: Keime können an Kontaktlinsen haften bleiben. Besonders gefürchtet sind Akanthamöben. Das sind mikroskopisch kleine Einzeller, die in Wasser vorkommen können. Gelangen sie unter eine Kontaktlinse an die Hornhaut, kann in seltenen Fällen eine Akanthamöben-Keratitis entstehen – eine schwer behandelbare Hornhautentzündung, die das Sehvermögen gefährden kann.
Wer in der Badi nicht auf Kontaktlinsen verzichten kann, fährt mit Tageslinsen sicherer als mit Monatslinsen. Sie sollten nach dem Baden entsorgt und nicht weitergetragen werden. Noch besser ist eine gut sitzende Schwimmbrille – idealerweise mit Sehstärke.
Was nach dem Baden hilft
Bei leichten Beschwerden helfen meist einfache Massnahmen: Augen nicht reiben, Kontaktlinsen herausnehmen, das Gesicht mit sauberem Wasser abspülen und den Augen Ruhe gönnen. Benetzende Augentropfen, auch Tränenersatzmittel genannt, können den gereizten Tränenfilm unterstützen. Sie befeuchten die Augenoberfläche und lindern das Trockenheitsgefühl.
Wichtig: Bei Verdacht auf eine Infektion sollten keine alten Augentropfen verwendet werden. Auch antibiotische Tropfen gehören nur nach ärztlicher Abklärung ins Auge.
Wann ärztliche Hilfe nötig ist
Rote Augen nach der Badi sind oft harmlos. Eine Abklärung beim Gesundheitsoptiker oder der Gesundheitsoptikerin ist jedoch wichtig, wenn die Beschwerden länger als 24 Stunden anhalten oder stärker werden.
Sofortige Abklärung ist angezeigt bei:
- starken Schmerzen
- Lichtempfindlichkeit
- verschwommenem Sehen
- eitrigem Sekret
- einem deutlichen Fremdkörpergefühl
- verklebten Augen am Morgen
- Beschwerden nach dem Baden mit Kontaktlinsen
- einseitiger, zunehmender Rötung
Gerade bei Kontaktlinsenträgerinnen und Kontaktlinsenträgern sollten Schmerzen oder Sehverschlechterung immer ernst genommen werden.
Der beste Schutz: passende Schwimmbrille und gute Beratung
Der einfachste Schutz für die Augen in der Badi ist eine gut sitzende Schwimmbrille. Sie hält Chlorwasser, Schmutzpartikel und Keime vom Auge fern und schützt zusätzlich vor Reizungen durch Wind und Spritzwasser.
Für Kontaktlinsenträgerinnen und Kontaktlinsenträger lohnt sich zusätzlich ein Kontaktlinsen-Check vor der Badesaison. Dabei lässt sich klären, ob Tageslinsen für Baditage sinnvoll sind, welche Pflegemittel passen und wie die Augenoberfläche auf Linsen, Sonne und Wasser reagiert.
Fazit: Badi ja – aber mit Augenschutz
Rote, brennende Augen nach dem Schwimmen sind meist eine Reaktion auf gereizte Augenoberflächen und einen belasteten Tränenfilm. In der Regel beruhigen sich die Augen nach kurzer Zeit wieder. Bleiben die Beschwerden jedoch bestehen, kommen Schmerzen oder Sehprobleme dazu, sollte das abgeklärt werden.
Wer die Augen schützen möchte, setzt auf eine gut sitzende Schwimmbrille, saubere Hände und besondere Vorsicht mit Kontaktlinsen. So bleibt die Badi das, was sie sein soll: erfrischend, entspannend und möglichst ohne rote Augen.



