Was passiert bei einer Netzhautablösung?
Die Netzhaut, auch Retina genannt, liegt im hinteren Teil des Auges. Millionen lichtempfindliche Sinneszellen wandeln dort Lichtreize in elektrische Signale um. Über den Sehnerv gelangen diese Informationen anschliessend ins Gehirn.
Bei einer Netzhautablösung hebt sich die lichtempfindliche Netzhaut von ihrer Unterlage ab. Dadurch wird ihre Versorgung mit Sauerstoff und Nährstoffen beeinträchtigt. Bleibt dieser Zustand unbehandelt, können Sinneszellen dauerhaft geschädigt werden. Im schlimmsten Fall droht ein schwerer Sehverlust.
Warum löst sich die Netzhaut ab?
Die häufigste Form beginnt mit einem kleinen Loch oder Riss in der Netzhaut. Durch diese Öffnung kann Flüssigkeit unter die Netzhaut gelangen und sie von ihrer Unterlage abheben.
Eine häufige Ursache für solche Risse ist die sogenannte hintere Glaskörperabhebung. Der Glaskörper ist eine gelartige Masse, die einen grossen Teil des Augeninneren ausfüllt. Mit zunehmendem Alter verändert und verkleinert er sich. Dabei kann Zug auf die Netzhaut entstehen. Meist bleibt dieser natürliche Prozess ohne Folgen. In einzelnen Fällen entsteht jedoch ein Netzhautriss.
Ein erhöhtes Risiko besteht unter anderem bei:
- starker Kurzsichtigkeit
- früheren Augenoperationen, insbesondere einer Operation des Grauen Stars
- Verletzungen oder starken Schlägen auf das Auge
- einer bereits erlittenen Netzhautablösung
- familiärer Vorbelastung
Auch bestimmte Erkrankungen können andere Formen einer Netzhautablösung verursachen. Dazu gehören beispielsweise fortgeschrittene diabetische Netzhautveränderungen, Entzündungen oder selten Tumorerkrankungen des Auges.
Diese Warnzeichen sollten ernst genommen werden
Eine Netzhautablösung tut in der Regel nicht weh. Umso wichtiger ist es, Veränderungen beim Sehen zu kennen.
Typische Warnzeichen sind:
- plötzlich auftretende Lichtblitze, häufig in nur einem Auge
- eine starke Zunahme schwarzer Punkte oder Schlieren
- viele kleine schwarze Punkte, die wie ein «Russregen» durchs Blickfeld ziehen
- ein Schatten im Gesichtsfeld
- das Gefühl, durch einen Schleier oder Vorhang zu sehen
- ein zunehmend eingeschränktes Gesichtsfeld
- plötzlich unscharfes oder verzerrtes Sehen
Besonders charakteristisch ist ein Schatten oder eine dunkle Fläche, die sich von aussen ins Gesichtsfeld schiebt. Ist die Makula, also die Stelle des schärfsten Sehens, betroffen, kann die Sehschärfe deutlich abnehmen.
Bei solchen Symptomen gilt: nicht abwarten. Eine Untersuchung sollte so schnell wie möglich erfolgen. Je früher eine beginnende Netzhautablösung erkannt und behandelt wird, desto besser sind die Chancen, das Sehvermögen zu erhalten.
Netzhaut kontrollieren, bevor Beschwerden entstehen
Gerade bei erhöhtem Risiko sind regelmässige Kontrollen sinnvoll. Bei der Untersuchung des Augenhintergrunds können Netzhaut, Makula, Sehnerv und weitere Strukturen beurteilt werden. Moderne Fundusaufnahmen oder OCT-Scans ermöglichen es zudem, Auffälligkeiten zu dokumentieren und Veränderungen im Verlauf miteinander zu vergleichen.
Auch Gesundheitsoptikerinnen und Gesundheitsoptiker bieten solche Untersuchungen an. Finden sich Hinweise auf eine Erkrankung oder auffällige Veränderungen, wird eine augenärztliche Abklärung veranlasst. Bei dringenden Befunden zählt eine schnelle Weiterleitung besonders.
Wichtig dabei: Ein Vorsorgecheck ersetzt bei akuten Warnzeichen keine augenärztliche Notfalluntersuchung. Wer plötzlich Blitze, Russregen, einen Schatten oder einen Vorhang sieht, sollte direkt augenärztliche Hilfe suchen.
Was kann der Augenarzt tun?
Wird ein Netzhautriss entdeckt, bevor sich die Netzhaut abgelöst hat, kann er häufig mit einem Laser oder einer Kältebehandlung verschlossen werden. Dabei wird rund um den Riss eine feste Verbindung zwischen Netzhaut und Unterlage erzeugt. So lässt sich eine drohende Netzhautablösung in vielen Fällen verhindern.
Hat sich die Netzhaut bereits abgelöst, ist in der Regel eine Operation notwendig. Welche Methode eingesetzt wird, hängt von Ursache, Lage und Ausmass der Ablösung ab. Häufig wird dabei der Glaskörper entfernt und die Netzhaut wieder an ihre Unterlage angelegt.
Die Behandlungsmöglichkeiten sind heute weit entwickelt. Entscheidend für das spätere Sehvermögen ist unter anderem, wie früh die Ablösung erkannt wird und ob die Makula bereits betroffen ist. Hat sich die Netzhautmitte noch nicht abgelöst, sind die Aussichten auf den Erhalt einer guten Sehschärfe deutlich besser.
Fazit
Eine Netzhautablösung ist selten, aber ernst. Da sie meistens keine Schmerzen verursacht, sind die Veränderungen beim Sehen das wichtigste Warnsignal. Neue Lichtblitze, plötzlich zahlreiche schwarze Punkte oder ein Schatten im Gesichtsfeld gehören deshalb immer rasch abgeklärt.
Wer ein erhöhtes Risiko hat, sollte zudem nicht erst auf Beschwerden warten. Regelmässige Kontrollen des Augenhintergrunds können helfen, auffällige Veränderungen frühzeitig zu entdecken.
Fragen und Antworten
Sie haben Fragen? Wir Gesundheitsoptiker und Gesundheitsoptikerinnen sind gerne für Sie da.

